Frischer Wind in der Landwirtschaft

Technologische Innovationen tragen zur Entlastung des Klimas bei

Der Duft der guten alten Landluft, der in die Nase weht – wer kennt ihn nicht? Er soll uns natürlich allen erhalten bleiben, doch das ist gar nicht so einfach. Denn die Menschheit wächst und wächst und wächst – und mit ihr der Hunger. So müssen laut den Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 rund 8,5 Milliarden Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Dafür sind immer mehr Ernten in immer kürzeren Zyklen notwendig.


Ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist daher nicht nur in urbanen Räumen zwingend notwendig, sondern auch da, wo Mutter Natur unsere Lebensmittel gedeihen lässt. Abgasnachbehandlung, weniger Verbrauch durch Reifentechnik, vorausschauende Wartung – das sind nur einige der Möglichkeiten. Es geht noch mehr: Schauen wir einer anspruchsvollen Branche über die Schulter.

Die Zeit der Stinker ist vorbei

„Ein Schlepper kann nicht einzylindrig genug sein.“ Das Zitat des Ingenieurs Fritz Huber ist heute unter Kennern der Materie legendär. Denn Huber konstruierte vor fast einem Jahrhundert den Lanz Bulldog-Motor, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die moderne Landwirtschaft prägte, als Motorkraft die Stärke von Pferden und Ochsen zu ersetzen begann.

 
Lanz Bulldog – Schlepper haben historische Verdienste, doch die Zukunft der Landwirtschaft gehört modernen Hochleistungstraktoren.

Der Lanz Bulldog war zweifellos ein Meilenstein, der als eisernes Zugpferd maßgeblichen Anteil an leichterer Feldarbeit und gesteigerten Erträgen hatte. Doch das ist lange her – und die damalige Konstruktion des Glühkopfmotors mit innerer Gemischbildung und niedriger Verdichtung war ein stinkender Zweitakter, also eigentlich ein bärenstarker, entfernter Cousin des Trabant. Und während früher in der Startphase die Glühnase im Zylinderkopf mit einer Lötlampe zum Glühen gebracht werden musste, hat man heute für solche Verrichtungen längst keine Zeit mehr.


Moderne Hochleistungstraktoren sind auf pure Leistung getrimmt: Sie haben 40 und mehr Vorwärtsgänge oder gar ein stufenloses Getriebe, Durchschnittsmotoren leisten 100 PS, auch 300 PS und mehr sind keine Seltenheit, Allradantrieb ist Standard. Gleichzeitig sind auch Effizienz und Umweltbewusstsein an Bord: Und während die Lanz Bulldog-Schlepper auf Veteranenfahrten immer wieder jede Menge staunende Blicke und noch mehr verblaute Abgase erzeugen, wird heute alles dafür getan, die Luft so sauber wie möglich zu halten.

Landluft soll sauberer werden

Ab 2019 tritt die neue Abgasnorm EU Stage V in Kraft. Sie betrifft sogenannte Non-Road-Maschinen aller Art, also vor allem Land- und Baumaschinen – und sie verschärft die bisher gültige Abgasregulierung. Die Vorgabe der Politik lautet: Weniger Stickoxide und Rußemissionen – und das lässt sich nur mit neuen Ideen und Technologien erreichen.

Betrachtet man die Trends der Branche, stellt man fest, dass Traktoren z. B. verstärkt als Arbeitsmaschinen in der Stadt oder auch als Baumaschinen eingesetzt werden. Dies verändert auch die Bedingungen rund um eine effiziente Abgasnachbehandlung. Denn während ein Traktormotor beim Pflügen eines Feldes nahe am Auslegungspunkt betrieben wird, ist das Schneeräumen in der Stadt für den Motor kaum anstrengender als der Leerlauf. Eine Abgasnachbehandlung muss also in wechselnden Situationen zuverlässig funktionieren.

Beheizte Ringkat-Anlage für die Anwendung in Bau-, Agrar- und Transportmaschinen

Für diese Anforderungen stellt Continental gleich zwei Lösungen vor: Einerseits bildet ein metallischer Katalysatorträger, der ovale und sogar asymmetrische Bauformen erlaubt, die Basis für Katalysatoranlagen, die direkt am Motor befestigt sind. Und andererseits ermöglicht ein Ring-Katalysator den gut integrierbaren Aufbau einer vollständigen Abgasnachbehandlung in einem Container. Beide Strategien – sowohl die motornahe Befestigung als auch die standardisierte Box – führen zu einer wirkungsvollen und kostengünstigen Reinigung der Abgase und decken dabei viele Einsatzgebiete des Traktors ab.

Abgasnachbehandlung wird immer anspruchsvoller

Moderne Katalysatoren basieren auf komplexen Technologien auf engstem Raum. Neben dem Oxidationskatalysator und einem Partikelfilter gehört die Selektive Katalytische Reduktion der Stickoxide dazu – und diese umfasst auch die Einsteuerung eines benötigten Reduktionsmittels mitsamt Sensoren und Aktuatoren. Will man all das vollständig motornah platzieren, ist Kompaktbau unerlässlich.

„Je kompakter eine Abgasnachbehandlung ist, desto leichter lässt sie sich in unterschiedlichste Applikationen integrieren“, so Rolf Brück, Leiter der Produktlinie Katalysatoren im Continental-Geschäftsbereich Fuel & Exhaust Management. „Unser Ring-Katalysator ermöglicht, den Katalysator um einen Partikelfilter herum anzuordnen. Besser lässt sich das Raumproblem aktuell kaum lösen. Sogar für eine zweite Eindüsung des Reduktionsmittels lässt sich auf diese Weise Platz schaffen. Eine solche zweite Eindüsung hilft dabei, auch unter Volllast Stickoxide nahezu vollständig umzusetzen.“ 

„Die Technologie für saubere Luft ist da, jetzt muss sie auch genutzt werden.“

Rolf Brück, Leiter der Produktlinie Katalysatoren Fuel & Exhaust Management

Umweltfreundlichkeit in der Erfolgsspur

Effizienz in der Landwirtschaft hat viele Dimensionen, die zu gesteigerter Nachhaltigkeit beitragen:

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1. Produktivitätsplus fährt vor

Reifen übertragen die Kraft eines Traktors in das Gelände. Neue Premium-Radialreifen von Continental sorgen jetzt für mehr Zugkraft auf dem Acker, die gleichzeitig den Boden schont: Eine gute Traktion steigert den Wirkungsgrad des eingesetzten Kraftstoffs um bis zu 15 %. Wenn dabei Erdboden und Erntegut möglichst wenig beeinflusst werden, sichert das auch höhere Erträge. Continental N.flex-Technologie basiert auf einem flexiblen Nylonmaterial der Karkasse, das deutlich dehnbarer als andere Materialien ist.

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Gleichzeitig sind Reifen mit N.flex-Technologie extrem robust, um Reifenschäden und damit verbundene Wartungs- und Standzeiten zu minimieren. Genauso wichtig wie die Flexibilität eines Reifens ist auch der optimierte Schlupf, also die Intensität des Durchrutschens zwischen Reifen und Untergrund. Ein Beispiel: Maximale Kraftübertragung bei der Geradeausfahrt erlebt der Traktorfahrer bei einem Reifenschlupf von 10 bis 15%. Erhöht sich der Schlupf auf z.B. 35%, steigen die Betriebskosten eines Traktors bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 7 Kilometer pro Stunde und einer angenommenen Ackerfläche von 300 Hektar um bis zu 23 %! Dieser Mehrverbrauch belastet nicht nur die Gewinnmargen des Landwirts, sondern auch die Umwelt – moderne Traktorreifen verhindern dies, indem sie das optimale Maß von Traktion und Schlupf unterstützen.

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2. Maschinen müssen laufen

Ein Stillstand von Maschinen kostet den Landwirt viel Geld. Gerade während der Saat- und Erntezeiten, in denen es immer um den optimalen Zeitpunkt, mithin um Stunden und Minuten geht, ist das ein gewaltiges Ärgernis. Zukünftig soll das gezielte Monitoring von Komponenten Abhilfe schaffen – dafür kombiniert Continental Produkte und Systeme mit innovativer Sensortechnik. Die vorausschauende Wartung erkennt frühzeitig drohende Ausfälle und verhindert so den Stillstand. Prävention steht hier klar im Fokus, um die Betriebssicherheit zu steigern. Doch mittelfristig lässt sich das Monitoring sogar noch weiter ausbauen: Der Kunde könnte dann seine gewonnenen Daten nutzen, um mit zusätzlichen Services und Dienstleistungen, die sich aus der Vernetzung und Digitalisierung ergeben, seine Effizienz weiter zu optimieren.

Auch mit zukunftsweisenden Reifentechnologien können wir mehr Nachhaltigkeit ernten.

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3. Mit Sensoren gegen den Verschleiß

Nicht alles dreht sich nur um Reifen: Zu den jüngsten technologischen Highlights von Continental gehören Gummiraupenketten mit Sensortechnik. Damit lässt sich die Karkassentemperatur der Gummiraupenketten im Betrieb am Fahrzeug messen und überwachen – auf diese Weise lässt sich die Lebensdauer des Materials verlängern und unvorhergesehene Reparaturen entfallen. Dies ist gerade bei Überführungsfahrten auf Asphalt relevant, denn hier sind Gummiraupenketten besonders verschleißanfällig. Bei aufkommenden kritischen Phasen wird der Fahrer rechtzeitig per Signal in die Kabine gewarnt.

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4. Zeitgewinn und Komfort für den Fahrer

Landwirtschaft ist körperlich harte Arbeit: Da ist jede Unterstützung willkommen, um die straff gesteckten Ziele auf dem Feld so effizient wie möglich zu erreichen. Es gelingt umso besser, je entspannter der Fahrer unterwegs ist – am besten auf einem Fahrerarbeitsplatz, der ergonomisch perfekt passt. Der modulare Fahrerarbeitsplatz von Continental lässt sich flexibel rund um die Fahrerbedürfnisse gestalten. Alle Schalter sind in Reichweite positioniert, damit sich der Fahrer ganz auf seine Fahrt und die Arbeitsprozesse konzentrieren kann. Eine minimalistische Ausstattung ist dabei ebenso möglich wie die Premiumversion mit Kameras, Multimedia-Anwendungen und Displays wie dem Kombi-Instrument MultiViu Professional12, das den Fahrer rundum und in Echtzeit über alle seine Arbeitsschritte informiert. Intelligente Luftfedertechnik ermöglicht darüber hinaus, die Höhe von Fahrzeug und Anbauten aus der Kabine heraus zu steuern und elektronisch anzupassen – Abläufe werden dadurch deutlich beschleunigt. Damit der Fahrer auch am Ende eines langen Tages noch fit ist, sorgt eine hydraulisch gedämpfte Kabinenlagerung für weniger Vibrationen. Auch dieses Plus an Komfort trägt zur Effizienz bei.

Interview mit Hans-Jürgen Duensing


Herr Duensing, Sie sind als Vorstand bei Continental auch verantwortlich, wenn es um Land- und Baumaschinen geht. Welche Herausforderungen sehen Sie insbesondere für die Landwirtschaft?

Die Landwirtschaft steht wie viele andere Branchen auch in einem harten Wettbewerb. Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung eröffnen auch in der Agrarwirtschaft enorme Potenziale. Für Landwirte und uns sind dabei Daten das Saatgut für die Zukunft. Der daraus resultierende Optimismus und die Entschlossenheit sind in der Branche spürbar.


Wie beurteilen Sie die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft?

Diese Anstrengungen sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft, aber natürlich zunächst auch mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Neue Abgasnormen sind beispielsweise lohnende Herausforderungen für uns alle. Mit unseren Innovationen im Katalysator-Bereich sind wir hierauf vorbereitet.

Stichwort Clean Air – wo sehen Sie die größten Potenziale in der Landtechnik?

Die Summe aller Innovationen bringt’s, wie kraftstoffsparende Antriebe oder die erhöhte Laufleistung der Reifen. Darüber hinaus bilden künftig die Daten der Landmaschinen den Schlüssel zu weniger Emissionen und vorausschauenden Wartungskonzepten. Sie steigern die Effizienz, reduzieren Ausfallzeiten und erhöhen die Betriebssicherheit.


Wie schaut es denn mit Ihren persönlichen praktischen Erfahrungen in der Landwirtschaft, sind sie selbst schon einmal Traktor gefahren?

Meine Großeltern hatten einen Bauernhof. Schon als kleiner Junge war ich deshalb vom Traktorfahren begeistert. Selbst fahren durfte ich jedoch nicht, da ich noch zu jung war und keinen Führerschein hatte. Seitdem träume ich davon, einen Trecker auch mal selbst zu steuern. Ich hoffe, dass sich bei nächster Gelegenheit die Möglichkeit dazu ergibt.

Hätten Sie’s gewusst?

Die wichtigste Branche der Welt in einigen Zahlen: Erfahren Sie mehr über die faszinierende Welt der Landwirtschaft.

Ein Drittel aller arbeitenden Menschen weltweit ist in der Landwirtschaft beschäftigt.

Die durchschnittliche Hofgröße beträgt in Asien ca. 1 Hektar und in den USA fast 190 Hektar.

In Dürrejahren verzeichnet der biologische Landbau 31 % mehr Erträge. Dabei verbraucht er 45 % weniger Energie und stößt 40 % weniger Treibhausgase aus.



 In Irland wird fast genauso viel Fläche biologisch bewirtschaftet wie in Russland, es sind jeweils ca. 40.000 Hektar.

Rund 26,7 Millionen Hektar Land haben sich Investoren seit dem Jahr 2000 weltweit für landwirtschaftliche Zwecke angeeignet – eine Fläche so groß wie das Vereinigte Königreich und Slowenien zusammen.

 

Ökologisch bewirtschaftete Flächen weisen im Durchschnitt 34 % mehr Pflanzen-, Insekten- und Tierarten auf als konventionelle Farmen.

Derzeit bilden 20 kultivierte Pflanzen 90 % der pflanzlichen Ernährung der Menschen.

Zwölf Pflanzen- und fünf Tierarten stellen 70 % der menschlichen Nahrung.

Kleinbauern in Fidschi stemmen 84 % der Produktion von Yams, Reis, Maniok, Mais und Bohnen auf nur 47,4 % des Landes.

2015 haben rund 15 % der europäischen Bauern mehr als die Hälfte ihrer Produkte direkt an den Verbraucher gebracht – Tendenz steigend.

Über den Feldern in aller Welt klare und reine Luft – das ist mehr als nur eine Vision. Es sollte uns allen eine Verpflichtung sein, denn nur in einer intakten Natur können wir die Erträge erwirtschaften, die für eine ausreichende Ernährung gebraucht werden. Deshalb ist es besonders wichtig, Emissionen wie Stickoxide und Rußpartikel konsequent zu reduzieren: Dafür gibt es viele Stellschrauben an den Maschinen der Landtechnik, die uns alle im beständigen Rhythmus von Saat und Ernte versorgen.

Innovative Lösungen aus einer Hand für mehr Effizienz in der Landwirtschaft.

 

Continental Magazin Ausgabe 1/2018