In Zeiten von Corona

Wie reagiert Continental auf die Pandemie?

Das neuartige Coronavirus hat die Welt im Griff. Auch Continental spürt die Folgen. Geschlossene Fabriken, Homeoffice und Auftragsrückgänge sind die eine Seite. Aber es gibt noch eine andere: Das Wiederhochfahren der Produktion hat begonnen, Continental etabliert dafür ein weltweites Schutzkonzept für eine pandemiesichere Produktion und startet eine eigene Schutzmaskenproduktion. Die Beschäftigten selbst starten weltweit lokale Hilfsaktionen.

Ein Virus, das keine Grenzen kennt

Weltweit arbeiten derzeit rund 60 Prozent der rund 240.000 Beschäftigen von Continental kürzer, über 80.000 davon im Home-Office, 30.000 Mitarbeiter sind allein in Deutschland in Kurzarbeit: Vor welchen enormen Herausforderungen ein Weltkonzern wie Continental innerhalb weniger Wochen stehen kann, zeigt, mit welcher Wucht die „Coronakrise“ zugeschlagen hat. Für das Unternehmen mit 595 Standorten in mehr als 60 Ländern gelten in der jetzigen Krise zwei klare Ziele: die Gesundheit der Mitarbeiter schützen und die Lieferfähigkeit aufrechterhalten. Keine einfache Aufgabe in einer Pandemie, die weltweit in ganz unterschiedlichen Phasen steckt: Während China bereits weitgehend in die Normalität zurückgekehrt ist, kommen Deutschland und Europa langsam aus dem Lockdown, Nordamerika steht diese Phase weitestgehend noch bevor. 

Dieses Virus kennt keine Grenzen – unsere Verbundenheit miteinander aber auch nicht.

Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender Continental

Es begann in Ostasien

China war das erste Land, welches vom Ausbruch des Covid-19-Virus betroffen war. Allein hier ist Continental an 50 Standorten vertreten. „Zu Jahresbeginn mehrte sich in der Stadt Wuhan die Zahl der Infizierten und Todesfälle durch Covid-19. Es ging auf das chinesische Neujahrsfest am 25. Januar zu. Wir hatten bereits regulär damit begonnen, die Produktion für die anstehende Urlaubswoche herunterzufahren, als Wuhan am 23. Januar abgeriegelt wurde, nur Tage später die gesamte Provinz Hubei. Dann folgten weitere Regionen“, beschreibt Jing Bi, Leiterin Kommunikation China, die Ereignisse. Aus dem geplanten Zurückfahren wurde somit ein unvorhergesehener Lockdown mit der fast kompletten Einstellung der Produktion. Ein Vorgeschmack, was auf die Welt noch zukommen sollte. 

Stattdessen hieß es von nun an: Wenn möglich mobiles Arbeiten wie zum Beispiel im Homeoffice, strikte Reisebeschränkungen und eine massive Ausweitung der Schutz- und Hygienemaßnahmen. Die an den Standorten eingesetzten Krisenteams entschieden in enger Abstimmung mit dem Konzern-Krisenteam und den lokalen Behörden darüber, welche schnellen Maßnahmen nötig waren, um die Beschäftigten zu schützen und die Auswirkungen auf den Betrieb so gering wie möglich zu halten.

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Vom lokalen zum globalen Lockdown

Wenig später verhängte beinahe die ganze Welt Ausgangs-beschränkungen und Produktionsstopps. Gleichzeitig brach vielerorts die Nachfrage ein. So wurde seit Mitte März an mehr als 40 Prozent Continental-Produktionsstandorte weltweit die Arbeit für wenige Tage bis zu einigen Wochen eingestellt. Besonders betroffen: Europa, Nord- und Südamerika.

Als Zeichen der Solidarität mit den von den Auswirkungen der Corona-Krise weltweit betroffenen Continental-Mitarbeitern hat der Vorstand beschlossen, seinen zunächst auf einen Monat im April angelegten Verzicht auf 10 Prozent seines Festgehalts um drei weitere Monate bis Ende Juli zu verlängern.

In den USA, die vom Virus aufgrund des Verbreitungsweges verzögert erreicht wurden, hat man sich ebenfalls auf eine länger andauernde Ausnahmesituation eingestellt. Hier wurden vorbereitend für die Wiederaufnahme die Gesundheit- und Sicherheitsstandards an den Arbeitsplätzen in den Standorten der Pandemie angepasst. „Darüber hinaus unterstützen viele Mitarbeiter die Rettungskräfte und das medizinische Personal in den Krankenhäusern mit ihrer Zeit und allem was sie sonst im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verfügung stellen können“, erklärt Caitlin Smith aus dem Kommunikationsteam Continental USA. „Wir müssen flexibel bleiben und Wege finden auch weiterhin als Team zusammenzuarbeiten, trotz der durch Corona bedingten räumlichen Distanzierung.“

Allerdings stehen nicht alle Continental-Fabriken während des Lockdown still. Weltweit werden bestimmte Produktionslinien weiterbetrieben, die ohne Unterbrechung Produkte für systemkritische Lebensbereiche herstellen, z. B. Schläuche oder Schlauchleitungen für die Medizintechnik, für Wasserwerke oder die Lebensmittelindustrie.

CEO Dr. Elmar Degenhart zu den Auswirkungen des Coronavirus bei Continental

Der Schutz der Gesundheit ist jetzt das Wichtigste. Unsere Mitarbeiter erhalten dafür Schutzausrüstung. Und wir passen die Prozesse und Systeme an, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender Continental

Priorität auf Gesundheit – kein Hochfahren ohne Risikocheck

Am Ende dauerte der Lockdown in Wuhan ganze zehn Wochen. So hart traf es den Rest von China nicht. Am 10. Februar wurde damit begonnen, die Produktion in weiten Teilen des Landes wieder schrittweise aufzunehmen. Continental hat Stand Anfang Mai 2020 die Produktion nur noch an einem Fünftel der insgesamt 249 Continental-Produktionsstandorte weltweit eingestellt. Dies trifft insbesondere auf Standorte in den USA, Mexiko, Russland und Indien zu. In Deutschland wird die Produktion seit Anfang Mai schrittweise wieder hochgefahren.

Für das Wiederanlaufen der Produktion ohne Risiko hat der Konzern ein pandemiesicheres Schutzkonzept entwickelt. Kern ist die Gefährdungsbeurteilung aller Arbeitsplätze und die sich daraus ergebenden Schutzmaßnahmen wie z.B. die Installation von Plexiglasabtrennungen, massive Erhöhung der Reinigungsintervalle, verkürzte oder versetzte Schichten, Schichtübergaben ohne persönlichen Kontakt oder verlängerte Kantinenzeiten und größere Sitzabstände in Kantinen und Pausenräumen. Auch das Arbeiten von zuhause von Mitarbeitern, die nicht in der Produktion tätig sind, bleibt vorerst bestehen, um unnötige Kontakte zu vermeiden. China ist mit seinen Erfahrungen voraus: „Wir haben das Wiederanlaufen der Produktion – was von der Regierung stark unterstützt wird – sehr genau an die Entwicklung der Pandemie im Land angepasst. Das Hochfahren der Fertigung ist für unseren weiteren Geschäftsbetrieb dabei geschäftskritisch. An den Arbeitsplätzen halten wir genau fest, wer wann vor Ort war, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können. Masken und Social Distancing sind Pflicht, Online-Meetings werden empfohlen“, erklärt Jing Bi, Leiterin Kommunikation China.

Am Ende kommt es auf funktionierende Lösungen vor Ort an: „Die Situation ist in jedem Land anders“, erklärt der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart. „Unsere globalen und nationalen Krisenteams sind deshalb Tag und Nacht miteinander in Kontakt. Sie tauschen sich regelmäßig mit den Behörden aus, unterstützen sich gegenseitig und teilen ihre Erfahrungen.“

Trotz Krise: Continental gut aufgestellt

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Continental sieht sich jedenfalls gut gerüstet, um durch diese Krise zu kommen. Der Konzern hat in den letzten Jahren gut gewirtschaftet. Gleichzeitig werden alle Kräfte aufgebracht, um eine pandemiesichere Produktion unabhängig sicherzustellen. So wird Continental künftig auch eigene Masken zum Schutz der Mitarbeiter produzieren. Es handelt sich dabei um sogenannte chirurgische Einwegmasken, die gemäß der Risikobewertung des jeweiligen Arbeitsplatzes zum Einsatz kommen. Gleichzeitig soll damit die angespannte Situation der auf dem Markt verfügbaren Masken, die dringend im Gesundheitswesen benötigt werden, entlastet werden. Die Masken werden verteilt auf drei Kontinenten produziert – Winchester (USA), Hannover (Deutschland) und Shanghai (China). 

Und auch die Mitarbeiter bringen lokal eigene Ideen ein, wie sie in der Krise helfen können. (Bespiele dafür siehe Infobox unten). Wenn es dabei um die schnelle Produktion in Kleinserie geht, zeigt sich auch in der Pandemie, 3-D-Druck ist weltweit das Mittel der Wahl.

Ideen in der Krise – so hilft Continental

Medizinische Schläuche für die Lombardei

Trotz zurückgefahrener Produktion hat Continental im norditalienischen Daverio Schlauchleitungen für den Medizinsektor die Lombardei und die besonders betroffene Stadt Bergamo hergestellt. Die Schläuche werden für den Transport von Luft und medizinischen Gasen in Beatmungsgeräten wie CPAP-Systemen (Continuous Positive Airway Pressure) verwendet, die die Spontanatmung der Patientinnen und Patienten unterstützen.

 

Ideenbörse für freiwillige Helferinnen und Helfer

„Verbundenheit” lautet einer der vier Unternehmenswerte von Continental. Mitarbeiter des Konzerns beweisen das, indem sie im Intranet Ideen austauschen und Initiativen starten, um anderen Menschen auf der ganzen Welt zu helfen. Weitere Aktivitäten sind in der Konzeption oder in frühen Umsetzungsphasen.

 

„Rubí Makers“ produzieren Gesichtsschilde

Im Continental-Werk im nordspanischen Rubí haben sich mehr als 30 Beschäftigte den „Coronavirus Makers“ angeschlossen. Dabei handelt es sich um eine Initiative von fast 15.000 Spanierinnen und Spaniern, die ihr Wissen und ihre Technik für die Produktion von medizinischen Schutzmaterialien zur Verfügung stellen. Einige bringen ihre 3D-Drucker zum Einsatz, andere helfen bei Planung und Verteilung. Die Rubí Makers produzieren derzeit zertifizierte medizinische Gesichtsvisiere, davon etwa 80 Einheiten am Tag.

 

Professionelle Gesichtsvisiere aus Virginia

Das Werk in Winchester, Virginia/USA, stellt normalerweise unterschiedliche Folien für die Innen- und Außenausstattung von Pkw- und Nutzfahrzeugen her. Diese Kompetenz nutzt es jetzt für die Produktion von mehr als 6.000 Gesichtsvisieren pro Tag, die an örtliche Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Polizeiwachen und Feuerwehren geliefert werden. Die Initiative begann, um den Ersthelferinnen und Ersthelfern der Gemeinde zur Seite zu stehen. Inzwischen wird mehr produziert als benötigt, sodass die Schilde landesweit angeboten werden. 

 

3-D-Druck hausgemacht als Mittel gegen den Virus

In Bangalore, Indien, hat Manu Krishan, Ingenieur im Zentrum für Forschung & Entwicklung des Continental Technical Center India (TCI), zusammen mit seinem Bruder Gesichtsvisiere für lokale Krankenhäuser entwickelt und produziert. Dafür haben sie eigens einen 3-D-Drucker mit lokalen handelsüblichen Komponenten gebaut und programmiert. Das Ergebnis der ersten Produktionscharge: 300 Gesichtsvisiere zu einem Preis von unter 43 INR, was rund 50 € Cent sind. Die Masken sind bereits im Einsatz und die Produktion wird seit dem Beginn 24 Stunden, 7 Tage die Woche fortgesetzt.

 

„Dieses Virus legt unser gewohntes Leben still, aber nicht unseren Antrieb“, so Vorstandsvorsitzender Degenhart. „Continental hat fast 150 Jahre Erfahrung im Umgang mit Höhen und Tiefen. Wir sind ein starkes und krisenerprobtes Team. Mit einer starken Bilanz im Rücken sind wir finanziell wetterfest aufgestellt. Deshalb bin ich überzeugt: Wir werden aus der jetzigen Krise noch stärker zurückkehren.“

 

Das neuartige Coronavirus hat zu einer globalen Krise geführt, wie sie seinesgleichen sucht. Zum Schutz der Mitarbeiter und aufgrund von Nachfragerückgängen musste Continental temporär Teile seiner Produktion herunterfahren. Doch die positive Entwicklung in China und folgend in den weiteren Ländern sowie das Engagement der Beschäftigten zeigen: Es gibt ein Wirtschaften nach dem Lockdown.

 

 

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Gesichtsschutz-Visiere sind eine sinnvolle Ergänzung zu Mund-Nasen-Bedeckungen, aber sie ersetzen sie nicht!
Die in der Geschichte gezeigten Visiere zum Gesichtsschutz schützen zusätzliche die Augenschleimhäute und dienen vor allem als zusätzlicher Spritzschutz. Daher sind sie vor allem bei bestimmten Berufsgruppen eine sinnvolle Ergänzung zu Mund-Nase-Bedeckungen. Sie sind aber keine gleichwertige Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckung. Abgebildete Mitarbeiter, die Visiere ohne zusätzliche Mund-Nasen-Bedeckung tragen, tun dies nur zu Demonstrationszwecken!