Ganz direkt,
Herr Dr. Degenhart

Das etwas andere Interview

Seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Continental AG, Vertrag bis 2024 verlängert, zuvor in vielen leitenden Positionen bei Automobilzulieferern. Kommunikationsstark, zielstrebig, kompetent, ausgeglichen und sportlich sei er – das sind Attribute, die über den Lenker des Technologiekonzerns aus Hannover bekannt sind.

Doch wir wollen etwas mehr über den Menschen Elmar Degenhart erfahren und stellten ihm nicht nur Fragen zur Mobilität, sondern auch darüber hinaus – die er so vermutlich noch nicht zu beantworten hatte.

 

Herr Dr. Degenhart, das Continental Motto auf der IAA 2017 lautete „Making mobility a great place to live“. Wie sieht für Sie ein „great place to live“ aus?

Die schönsten Orte sind jene, die genau zu meinen Absichten passen und auf meine Bedürfnisse ausgerichtet sind. Mal sind es die Orte des Zusammenkommens mit anderen Menschen, des kreativen Austauschs und Zusammenarbeitens. Mal sind es Orte des stillen Rückzugs und der Konzentration. Ob im Büro, zu Hause, draußen in der Natur oder unterwegs im Auto: Auf die richtige Balance kommt es an.
 

Können Sie uns Orte nennen, die für Sie jetzt schon ein „great place to live“ sind?

Das ist überall dort, wo ich mit meiner Familie zusammen bin. Auch im Auto. Im automatisierten Fahrzeug kann man sich künftig sogar noch intensiver miteinander beschäftigen.

Wie sieht für Sie die Mobilität der Zukunft als „great place to live“ aus?

Das ist jene, die mich pünktlich dorthin bringt, wo ich hin will: sicher, sauber, stressfrei. Die zukünftige Mobilität wird effizienter und ökologischer sein als heute und dadurch kommenden Generationen mehr Chancen geben statt weniger, ihre eigenen Pläne und Ziele frei zu verwirklichen. Die Grenzen zwischen den Transportsystemen werden durch deren volle Vernetzung verschwimmen. Die Grenzen zwischen Büro, Wohnzimmer und Auto ebenso. Mobilität wird zum Lebensraum. In Zukunft wird das Fahren nicht mehr meine Kommunikation einschränken oder gar unterbrechen. Mein Fahrzeug wird mein Begleiter sein, mit dem ich spreche fast wie mit einem Freund, der mich schützt und unterstützt. Er plant in Echtzeit die optimale Route, bucht mir im vernetzten Ökosystem der Mobilität die notwendigen Verkehrsmittel, informiert vorausschauend meine Besprechungsteilnehmer über meine Ankunft und sorgt dafür, dass mir davor genug Zeit zum Durchatmen bleibt.

Wie begann Mobilität für Sie persönlich? Dreirad, Kettcar, Rollschuhe, Mountainbike?

Es begann ganz klassisch mit dem Kinderwagen, der von meinen Eltern geschoben wurde. Meine erste eigenständige Mobilität war ein Dreirad.
 

Welches Auto war Ihr erstes Auto? Und wissen Sie noch Leistung und Verbrauch?

Das war ein beigefarbener Opel Kadett Coupé, Baujahr 1970. Leistung: 33 Kilowatt, der Verbrauch lag bei etwa 9 Litern Normalbenzin auf 100 Kilometer, Preis damals: 1.950 DM. Die Monte-Carlo-Rallye-Version konnte ich mir damals leider nicht leisten. Das Beste: Mit meinem 13er-Ringschlüssel konnte ich die meisten der am Auto notwendigen Reparaturen selbst durchführen.

Mein erstes Auto war ein beigefarbener
Opel Kadett Coupé, Baujahr 1970.

Dr. Elmar Degenhart,
Vorstandsvorsitzender der Continental AG

Wann und wo sind Sie heute elektromobil unterwegs?

Die weitaus meisten meiner Fahrten finden auf der Autobahn statt. Daher fahre ich derzeit elektrisch nur in seltenen Fällen und zu Versuchszwecken. Aber auf der Anschaffungsliste steht ein elektrisch betriebenes Fahrzeug weit oben.

Reden wir von Treibstoff – was treibt Sie persönlich an?

Menschen. Mit ihrer Kraft, ihren Ideen, ihrer Vielfalt und ihrer Offenheit.

Sie haben in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Automotive versus Luft- und Raumfahrt: Sind das unterschiedliche Welten, oder gibt es mehr Gemeinsames, als man denkt?

Beide Welten haben viel miteinander gemeinsam. In beiden geht es um sichere Mobilität bis an die Grenze des technisch Machbaren. Beide eröffnen ein Universum für neue Ideen, Innovationen und Chancen.

Was hätten Sie beruflich gemacht, wenn Sie kein Ingenieur geworden wären?

Dann wäre ich Pilot geworden: aufregend fliegen und sicher landen.

Welche historische Ingenieursleistung bewundern Sie besonders?

Mal vom Rad abgesehen und aus der jüngeren Geschichte: die erste bemannte Mondlandung im Juli 1969. Wahrlich ein großer Schritt für die Menschheit.

Als Konzernchef sind Sie sehr beansprucht. Wobei können Sie am besten loslassen und neue Kraft tanken?

Das gelingt mir immer mit der Familie, auch in der Natur und beim Sport.

Wenn Sie zum Lesen kommen: Welches Buch lesen Sie gerade?

„No Ordinary Disruption: The Four Global Forces Breaking All the Trends“ von Richard Dobbs, James Manyika und Jonathan Woetzel, den Direktoren des Global McKinsey-Instituts. Wichtigste Erkenntnis: „In den kommenden Dekaden wird die Hälfte des weltweiten Wachstums in 440 Städten erzeugt, die von den meisten Führungskräften heute auf der Landkarte kaum korrekt verortet werden könnten.“

Hier gelangen Sie zum Lebenslauf von Dr. Elmar Degenhart – und zu denen der anderen Continental-Vorstände.

Continental Magazin Ausgabe 2/2017