Nachhaltigkeit

Frage nicht, was dein Planet für dich tun kann. Frage, was du für deinen Planeten tun kannst.

Toby Ord ist Forscher am Future of Humanity Institute der Universität Oxford. In seinem neuen Buch beschreibt er, dass sich die Menschheit in einer entscheidenden Phase befindet: 

Eigentlich könnten wir uns auf eine ewig erscheinende Zukunft freuen. Denn die Erde wird noch für mehrere hundert Millionen Jahre bewohnbar bleiben. Das ist genug Zeit für Millionen zukünftiger Generationen und genug Zeit, um Krankheiten, Armut und Ungerechtigkeit für immer zu verbannen. Diese Zukunft ist aber in der Schwebe, weil die Macht, die wir durch technologischen Fortschritt erreicht haben, so groß ist, dass wir die Grundlage für unsere Existenz und damit uns selbst zerstören könnten. Unsere Weisheit ist nicht im gleichen Maße gewachsen, wie unsere Macht. Jetzt ist die Zeit, in der wir Reife, Koordination und Voraussicht entwickeln müssen, um nicht unseren eigenen Fehlern zum Opfer zu fallen.


Toby Ord ist Philosoph. Vielleicht würde ihm zum Vorwurf gemacht werden, dass er zwar durchaus Recht hat, aber seine Gedanken nicht zur knallharten Wirklichkeit, wirtschaftlichen Realitäten und dem Wunsch nach mehr Wohlstand passen. Die Frage aber bleibt: Wie lösen wir das Problem, das unsere Zeit bestimmt? Wie sehen nachhaltige Gesellschaften der Zukunft aus?

Es kommt auf alle an

Für Innovationen und die Lösung von aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel brauchen wir kreative, sich fortlaufend weiterentwickelnde Systeme – nicht nur in der Politik und der Gesellschaft, sondern auch in der Wirtschaft. Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Geldern, von Forschungsinstituten und Unternehmen, ist die Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Die Schlüsseltechnologie für den Impfstoff von dem Mainzer Unternehmen BioNTech wurde im Vorhinein an öffentlichen Instituten erforscht. Das hat dazu beigetragen, dass BioNTech so schnell erfolgreich sein konnte. Generell läuft die Arzneimittel-Entwicklung häufig so, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Grundlagen erarbeiten und dann selbst ein Start-up gründen oder Kooperationspartner in der Wirtschaft suchen. Das zeigt, wie unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft jeweils wichtige Aufgaben übernehmen, um Antworten auf drängende Fragen zu finden. Natürlich ist die Wirtschaft im Falle des Klimawandels auch ein signifikanter CO2-Produzent. Das ist nicht wegzudiskutieren. Aber unternehmerische Verantwortung und Innovationen haben das Potenzial, eine ressourcenschonende und nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise überhaupt erst zu ermöglichen.

Es gibt eindeutige Signale, dass sich die Wirtschaftswelt ändert und auf Kurswechsel geht. „Wenn man sieht, wie Finanzplätze sich international aufstellen, gehört Sustainable Finance zu den zentralen Wettbewerbsfaktoren,“ sagt zum Beispiel Kristina Jeromin, die ehemalige Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements der Deutschen Börse. 

Wir müssen offen darüber reden und diskutieren, wie Unternehmen zu einer nicht nur besseren, sondern zu einer guten Welt beitragen können. Nachhaltigkeit ist zu einem Erfolgsfaktor geworden – das sehen auch Umweltschützer so. Der WWF schreibt auf seiner Website: 

„Die Entwicklung von treibhausgasneutralen und ressourceneffizienten Techniken und Produktionsverfahren wird den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristig stärken. Weltweit wächst der Bedarf nach nachhaltigen Spitzentechnologien und klimaneutralen Geschäftsmodellen exponentiell. Deutschlands exportorientierte Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Zulieferbetriebe können mittel- und langfristig von klugen Investitionen in global wachsende „Klimaschutzmärkte“ profitieren.“

So stellt sich Continental auf

Continental hat einen der umfassendsten Nachhaltigkeitsfahrpläne in der Automobilzuliefererindustrie beschlossen und bereitet den Weg für einen neuen, globalen Industriemaßstab. Diese Nachhaltigkeitsambition umfasst vier Fokusfelder. Eines dieser Fokusfelder betrifft emissionsfreie Fahrzeuge: Ab 2022 wird Continental ihr weltweites Geschäft für emissionsfreie Autos, Busse, Züge und andere Fahrzeuge klimaneutral stellen.

Ganz konkret geht es bei dem Continental-Programm Carbon Neutral for Emission Free Vehicles um folgende Ziele: 

Seit 2020 ist der Strombezug des Unternehmens komplett auf erneuerbare Quellen umgestellt.

 

Bis 2040 soll die gesamte eigene Produktion klimaneutral erfolgen.

 

Spätestens für 2050 plant Continental, zu 100 Prozent klimaneutral zu wirtschaften. Damit wird dann die gesamte Wertschöpfungskette klimaneutral.

 

Die Klimaziele von Continental stehen im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens.
 

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Dr. Ariane Reinhart, Vorstand für Personal und Nachhaltigkeit

„Mit unserem ambitionierten Nachhaltigkeitsfahrplan gehen wir konsequent den Weg der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Das ist für uns und für die gesamte Mobilitätsindustrie die entscheidende Messlatte. Wir haben heute noch nicht alle Lösungen, aber die Leitplanken für uns und unsere Partner sind gesetzt. Nachhaltigkeit ist bei Continental schon seit Langem einer der maßgeblichen Innovationstreiber. Wir gehen jedoch noch einen großen Schritt weiter und verankern sie umfassend in unserer Strategie. Mit unserem Fahrplan stellen wir die Weichen so konsequent auf Nachhaltigkeit wie bislang kaum ein anderes Unternehmen in der Zulieferbranche. Auf diese Weise erarbeiten wir uns zusätzliches, profitables Wachstum und Wettbewerbsvorteile.“

Wie sieht es insgesamt in der Automobilbranche aus?

Der Automobilbranche weltweit wird nachgesagt, bislang zu defensiv beim Klimaschutz zu agieren, umso mehr schaltet sie aber jetzt den Turbo ein. Zusätzlich beschleunigt wird diese Entwicklung durch die politischen Entscheidungen hierzu.

Denn die Kerntreiber der Transformation der Automobilindustrie sind CO2-Regulierungen und Klimaneutralitätsziele weltweit und der europäische Green Deal im Besonderen. Mit dem Programm "Fit for 55" will die EU bis 2030 mindestens 55 Prozent des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 1990 einsparen. So sollen ab 2035 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Auch auf den Luftverkehr sollen schärfere Vorschriften zukommen. In der EU soll bis 2050 praktisch gar kein CO2 mehr ausgestoßen werden. Weitere Ziele des Green Deals sind umweltfreundliche Technologien, eine nachhaltige Industrie, nachhaltiger Verkehr und die Eindämmung der Umweltverschmutzung. 

Aus diesen übergeordneten politischen Beschlüssen leiten sich konkrete Direktiven ab. Die ambitionierten Förderpläne für die Elektromobilität in Europa sind ein Beispiel. Aber auch die Verbote von Benzinern und Dieselfahrzeugen in Kalifornien und Frankreich fordern ein Umdenken der Industrie. Deutschland zieht ebenfalls nach: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder orientiert sich an Kalifornien und forderte noch vor der EU ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. 

Die Politik macht Druck, aber auch die Gesellschaft verändert sich. Umweltschutz ist immer mehr Menschen wichtig und nachhaltige Fahrzeuge gefragt. Und es gibt noch einen anderen guten Grund auf Umweltschutz zu setzen: Nachhaltige Arbeitgeber sind attraktive Arbeitgeber. Die Nachhaltigkeitsambition eines Unternehmens spielt für aktuell Beschäftigte und zunehmend auch Young Professionals eine zentrale Rolle. 

Mehr als 40 Prozent der heutigen Belegschaft von Continental arbeiten im Jahr 2050 wahrscheinlich noch. Die anderen haben Kinder und Enkelkinder.

Die „Generation Greta“ startet schon heute in den Arbeitsmarkt. Wer sich als Arbeitgeber bereits heute als Thementreiber und Branchenvorreiter positioniert, sichert sich so die Unterstützung der Talente von morgen.

Wir sind auf einem guten Weg und mitten im Wandel. Bis spätestens 2050 müssen Klimaneutralität, emissionsfreie Mobilität, zirkuläres Wirtschaften und vollständige verantwortungsvolle Wertschöpfungsketten erreicht werden.

Dr. Steffen Schwartz-Höfler,
Leiter der zentralen Abteilung für Nachhaltigkeit
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Dr. Steffen Schwartz-Höfler ist Leiter der zentralen Abteilung für Nachhaltigkeit bei der Continental. Er koordiniert unsere weltweiten Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Wir haben ihm 5 Fragen gestellt. Hier geht es zum Kurzinterview.