Nachhaltigkeit

Kurzinterview

Dr. Steffen Schwartz-Höfler ist Leiter der zentralen Abteilung für Nachhaltigkeit bei der Continental. Er koordiniert unsere weltweiten Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Wir haben ihm 5 Fragen gestellt.

Wie wichtig ist die Elektromobilität für Continental?

Immens wichtig. Nachhaltiges Geschäft ist Zukunftsgeschäft. 20 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen haben ihren Ursprung in der Mobilität. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir uns von diesem Rucksack befreien. Das geht nur durch einen massiven Ausbau der emissionsfreien Mobilität – beispielweise durch Elektromobilität.

An der CO2-Bilanz von E-Autos gibt es Kritik. Das Fahrzeug mag kein Kohlendioxid ausstoßen, bei der Produktion entsteht aber einiges davon.

Genau deshalb hat Continental einen der umfassendsten Nachhaltigkeitsfahrpläne in der gesamten Fahrzeugzulieferindustrie beschlossen. Ein wichtiger Baustein: Ab 2022 wird Continental ihr weltweites Geschäft für emissionsfreie Autos, Busse oder Züge klimaneutral stellen. Das heißt: Continental wird den CO2-Ausstoß durch sogenannte negative Emissionen ausgleichen, zum Beispiel durch das Pflanzen von Bäumen.

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CO2-Kompensation durch das Pflanzen von Bäumen

 

 

Wie läuft das genau ab?

Zuerst werden im gleichen Ausmaß all jene Emissionen neutralisiert, die bei der Beschaffung und Zulieferung von Rohstoffen oder Materialien, bei der Produktion und der Verwertung zum Nutzungsende entstehen. Für die Neutralisierung kommt vor allem das Pflanzen von Bäumen infrage. Damit wechseln wir schon heute in die richtige Spur. Natürlich werden wir zusätzlich zur Neutralisierung von Emissionen auch solche Maßnahmen vorantreiben, die Emissionen von vornherein vermeiden. Das ist die mittel- und langfristige Perspektive.

Ihr beschriebenes Programm trägt den Namen „Carbon Neutral for Emission Free Vehicles“ und ist Teil der neuen Nachhaltigkeitsambition von Continental. Diese beinhaltet vier Fokusfelder: Neben der emissionsfreien Mobilität und Industrie auch Klimaneutralität, zirkuläres Wirtschaften und verantwortungswolle Wertschöpfungsketten. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Wir haben dazu vorab eine eingehende Analyse gestartet – auf der Suche nach den Nachhaltigkeitsthemen, mit denen Continental die größten positiven Hebel hat und die für uns in der Transformation am entscheidendsten sind. Dazu haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden, aber auch Investoren, die Politik sowie Nachhaltigkeitsagenturen um ihre Einschätzungen gebeten. Unsere Entscheidung für diese vier großen Fokusthemen sehen wir im Übrigen durch die Entwicklungen in Politik, Finanzmarkt, dem gesellschaftlichen Diskurs aber auch durch unsere Kunden kontinuierlich bestätigt.

Wann wird Continental komplett nachhaltig wirtschaften?

Wir sind auf einem guten Weg und mitten im Wandel. Bis spätestens 2050 müssen Klimaneutralität, emissionsfreie Mobilität, zirkuläres Wirtschaften und vollständige verantwortungsvolle Wertschöpfungsketten erreicht werden. Das ist eine komplett andere Weltwirtschaft, die wir uns dafür vorstellen müssen. Wirklich 100 Prozent nachhaltig kann man heute noch gar nicht sein. Es ist der vielbeschworene Marathon mit vielen Sprints. Wer sich zurücklehnt, wird abgehängt. Vielleicht müssen wir am Ende sogar schneller sein als 2050. Und auch dann wird es neue Themen geben. „Noch nachhaltiger“ wird es immer gehen.

Wirklich 100 Prozent nachhaltig kann man heute noch gar nicht sein. Es ist der vielbeschworene Marathon mit vielen Sprints. Wer sich zurücklehnt, wird abgehängt.

Dr. Steffen Schwartz-Höfler,
Leiter der zentralen Abteilung für Nachhaltigkeit bei Continental

Nachhaltigkeit in Politik und Gesellschaft. Hier geht es zum Faktencheck.