Majulah Singapura!

Vorwärts, Singapur: Der Wahlspruch des kleinsten Staates in Südostasien gibt die Richtung vor. Das erklärte Ziel lautet: Singapur wird Smart Nation bis zum Jahr 2025

Singapur, Stadtstaat der Superlative: Hier an der Südspitze der malaiischen Halbinsel leben 5,7 Millionen Menschen unterschiedlichster Herkunft. Eine der meistbesuchten Städte der Welt, einer der wichtigsten Handelsplätze des Kontinents und der weltweit bedeutendste Umschlagplatz für Container: Für all das steht das vibrierende Singapur. Und für noch viel mehr: Denn Singapur will Smart Nation werden – und ist auf dem besten Weg.

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Lebensadern einer grünen Stadt: So soll Singapur schon bald aussehen – die Mobilität verläuft zu großen Teilen unter der Erde und mit autonomen Fahrzeugen.

Von der Vision zur Wirklichkeit

Ungezählte Nationalitäten, vielfältige Kulturen und allein vier Amtssprachen: Für kaum einen Ort trifft der Begriff des inspirierenden Schmelztiegels so gut zu wie für diesen dynamischen Inselstaat. Und auch Visionen fühlen sich hier zuhause: Es ist eindrucksvoll zu erleben, was möglich ist, wenn Gesellschaft, Politik und die Wirtschaft geschlossen hinter einem großen Vorhaben stehen. So startete Premierminister Lee Hsien Loong im November 2014 eine weltweit einzigartige Initiative: Singapur wird mit modernsten digitalen Lösungen eine bessere Zukunft gestalten – und bis zum Jahr 2025 die erste Smart Nation der Welt.

 

Alle sind gefordert

Eine Smart Nation wird nicht von der Regierung gebaut, sondern von allen zusammen: von Bürgern und Behörden, von Unternehmen und Institutionen. Investitionsfreude, Offenheit für neue Technologien, experimentelle Konzepte – das sind die Zutaten des offensichtlichen Erfolgsrezepts. Um den Austausch untereinander zu fördern, soll die Dateninfrastruktur weiter ausgebaut werden. Singapur setzt auf optimale Vernetzung und auf Open Data, also auf sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Gesellschaft ohne Einschränkung frei zugänglich gemacht werden können, um genutzt, verwendet und verbreitet zu werden. Auch die Mobilität von Menschen und Gütern spielt eine herausragende Rolle für die Smart Nation: So ist autonomes Fahren in Singapur fest eingeplant und wird von vielen Innovatoren vorangetrieben. Koordiniert wird die ambitionierte Initiative vom Smart Nation and Digital Government Office (SNDGO), das direkt dem Büro des Premierministers unterstellt ist.

Ein Mann mit einer Mission

Fünf Fragen an Herrn Pang Kin Keong, Singapurs Staatssekretär des Verkehrsministeriums und Vorsitzender des Ausschusses „Autonomous Road Transport for Singapore“ (CARTS)

Unten: Auszüge aus dem Interview von 2025ad.com


Herr Keong, warum hat die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge für Singapur eine solch hohe Priorität?

Das liegt vor allem an zwei Faktoren: Einerseits ist die Fläche unseres Stadtstaates stark begrenzt, und andererseits haben wir nicht genügend Arbeitskräfte, um die Herausforderungen im Transportwesen zu lösen. Es ist nicht leicht, gut ausgebildete Busfahrer und Lkw-Fahrer zu finden. Und aufgrund unseres begrenzten Raums ist ein auf das private Automobil ausgerichtetes Transportsystem ohnehin keine praktikable Lösung.

Gegenwärtig nehmen Straßen 12 Prozent unseres Landes ein, und diese Zahl steigt immer weiter. Gleichzeitig haben wir nun mehr als eine Million Fahrzeuge in Singapur. Da können wir uns nicht den Luxus erlauben, mehr und mehr Straßen für private Fahrzeuge zu bauen: Unsere Zukunft liegt in öffentlichen Transportsystemen.


Wie können die Singapurer davon profitieren?

Wir haben eine großartige Chance, unsere unmittelbare Umwelt zu verbessern, indem wir jetzt unser Transportsystem radikal verändern. Es wäre doch traumhaft, Landschaften zu haben, die nicht von Straßen, Parkplätzen und Fahrzeugen verschandelt sind, sondern wertvollen Platz bieten – für Fußgänger oder für Radfahrer, für Grünanlagen, Wohnhäuser oder öffentliche Zwecke aller Art.

„Unsere Zukunft liegt in öffentlichen Transportsystemen“

Pang Kin Keong, Singapurs Staatssekretär des Verkehrsministeriums und Vorsitzender des Ausschusses „Autonomous Road Transport for Singapore“ (CARTS)

Wie sieht die langfristige Vision aus?

Wir sehen eine Flotte an selbstfahrenden Gondeln vor, die ganz nach Bedarf via App angefordert werden können und auf feststehenden Verbindungen unterwegs sind – komfortabel und klimatisiert von der Haustür bis zur nächsten Bahnstation. So lösen wir die Verbindungsprobleme zu Beginn und am Ende einer Fahrtstrecke, um noch mehr Menschen dazu zu animieren, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Wir planen außerdem den Test selbstfahrender Busse und Truck Platooning, um den Fahrermangel im Buswesen und in der Logistik zu reduzieren. Warenlieferungen, Müllentsorgung, Straßenreinigung – all diese Dinge könnten mithilfe von fahrerlosen Lösungen in die Nacht verlegt werden, um den Tagesverkehr zu entlasten. Unterirdisch können wir weiterhin Straßen vorsehen für Frachtwege, den Großteil des Personenverkehrs und natürlich auch private Fahrzeuge. So könnte ein genial gestalteter Lebensraum Mobilität aussehen.


In Singapur befindet sich einer der größten Häfen der Welt, ebenso ein bedeutender Flughafen. Welche Rolle spielt autonome Mobilität in Singapurs Frachtgeschäft?

Wir sind einer der weltweit größten Umschlagplätze für Container überhaupt, deshalb muss der Containertransport zwischen den unterschiedlichen Terminals rund um die Uhr gewährleistet sein. Gemeinsam mit dem Hafenbetreiber PSA Corporation entwickeln wir Möglichkeiten, um Truck Platooning zu testen – innerhalb der Terminals und auch zwischen ihnen. So können wir die Produktivität der Truck-Logistik steigern und gleichzeitig die Personalengpässe umschiffen. Ähnlich erfolgreich könnte auch automatisiertes Fahren in diversen Bereichen unseres Flughafens die Passagiere befördern, zum Beispiel zwischen den Terminals oder von den Flugsteigen zu den entfernter parkenden Flugzeugen.


Wie will Singapur die öffentliche Akzeptanz für automatisiertes Fahren steigern?

Viele sagen, dass das eine echte Herausforderung sei, aber ich denke, das ist für Singapur kein besonders großes Thema. Schon in unserem bestehenden Transportsystem ist das nicht wirklich etwas Neues. Mit Ausnahme unserer beiden ersten Metrolinien sind alle anderen fahrerlos. Und während zahlreicher vorausgegangener Tests wurden diese selbstfahrenden Fahrzeuge ausgesprochen positiv aufgenommen, viele freuten sich darauf, diese Strecken auszuprobieren. Singapurer nehmen neue Technologien schnell und gerne an – und so wird es wohl auch beim automatisierten Fahren sein.

„Singapurer nehmen neue Technologien schnell und gerne an – und so wird es wohl auch beim automatisierten Fahren sein“

Pang Kin Keong

Abheben zu neuen Zielen

1. Singapur plant fliegende Taxis

Nach der Arbeit entspannt vom Büro nach Hause fliegen – warum nicht? Fliegende Taxis gehören vielleicht schon bald zum Singapurer Verkehrssystem: Das Verkehrsministerium führt zurzeit Gespräche mit einigen Unternehmen, um Flugversuche mit Drohnen zu starten, die Passagiere befördern können. Bis zum Jahr 2030 soll das fliegende Taxi Realität sein.


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Das Flugobjekt Scorpion befindet sich bereits in der Prototypenphase und ist eine von vielen Optionen für die urbane Mobilität in Singapur.

2. Truck Platooning geht in intensive Testphase

Anfang 2017 starteten das Verkehrsministerium und der Betreiber des gewaltigen Hafens von Singapur, die PSA Corporation, gemeinsam mit ausgewählten Lkw-Herstellern die Testphase für ein autonomes Truck-Platooning-System – bei diesen hintereinander fahrenden Trucks ist nur der erste Lkw des Konvois bemannt. In Phase 1 wird das Testdesign entwickelt und auf die Umgebung abgestimmt, ab 2018 beginnt Phase 2, in der die Konvois auf einer 10 Kilometer langen Teststrecke Container zwischen den Hafenterminals transportieren werden.


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Das Prinzip des autonomen Truck Platoonings und die vorgesehene Teststrecke zwischen den Terminals Pasir Panjang und Brani.

3. Tausend neue Fahrzeuge für E-Car Sharing

Im Dezember 2017 gingen die ersten Fahrzeuge einer neuen großen Flotte an den Start, die in Singapur für mehr saubere Mobilität sorgt. Das E-Car-Sharing-Projekt beginnt mit 10 bis 80 Fahrzeugen an 32 Stationen. In den nächsten vier Jahren wird dieser Fahrzeugpark eines französischen Anbieters sukzessive ausgebaut. Das Ziel sind 1.000 Fahrzeuge an 500 Stationen, die jeweils mit vier Ladestellen versehen sind. Die viersitzigen klimatisierten Fahrzeuge werden mit Lithium-Polymer-Batterien betrieben und haben eine Reichweite von bis zu 250 Kilometer.


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Singapore Electric Vehicle: tausend neue Fahrzeuge für E-Car Sharing.

4. Forschungskooperation zwischen Schaeffler und der Nanyang Technological University

Für kurze Strecken direkt auf ein elektrisches Kickboard, das sicher und selbstständig nach Hause fährt? Und das sich auf Wunsch in einen Handwagen verwandelt, mit dem sich Einkäufe transportieren lassen? An solchen und anderen Mobilitätskonzepten der nächsten Generation werden die Nanyang Technological University (NTU) Singapur und die Schaeffler Gruppe in den nächsten Jahren gemeinsam tüfteln. Zu diesem Zweck wird an der NTU ein neues Forschungslabor des Schaeffler Hub for Advanced Research (SHARE) eingerichtet, das neue Ideen für die Mobilität in sogenannten Megacitys entwickelt.


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Nahezu unschlagbar auf Kurzstrecken in der Stadt: elektrifizierte Kickboards bieten maximale Mobilität.

5. Gemeinsam für verbesserte Lade-Infrastrukturen rund um Elektromobilität

Ein Energiekonzern aus Frankreich, ein Singapurer Energieversorger und ein Betreiber von Elektrofahrzeugen stellen jetzt die Weichen für besseres Stromtanken im Inselstadtstaat – nicht nur für Pkw, sondern auch für Busse. Geprüft werden soll die Machbarkeit einer elektrischen Busbahn, die dank extrem leistungsstarker Lademodule blitzschnell innerhalb von 20 Sekunden aufgeladen werden kann. Eine solche sogenannte Bluetram fuhr bereits auf den Champs-Élysées in Paris anlässlich des Klimagipfels der Vereinten Nationen.


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Eine solche sogenannte Bluetram fuhr bereits auf den Champs-Élysées in Paris anlässlich des Klimagipfels der Vereinten Nationen.

6. Quantum Inventions aus Singapur gehört jetzt zu Continental

Quantum Inventions, ein Anbieter intelligenter Mobilitätsdienstleistungen aus Singapur, und Continental bündeln ihre Aktivitäten, um innovative Transportsysteme weiter voranzubringen: Insbesondere bei der Erfassung von städtischen Verkehrsdaten und bei modernen Navigationssystemen mit Echtzeitinformationen oder Mauttarifsystemen sind die 120 Spezialisten aus Singapur führend. Ralf Lenninger, Leiter des Continental Geschäftsbereichs Intelligent Transportation Systems, und Saurav Bhattacharyya, CEO von Quantum Inventions, freuen sich wie ihre Teams darauf, nun die Stärken im Bereich intelligenter Transportsysteme zusammenzubringen.


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Quantum Inventions bringt gemeinsam mit Continental innovative Transportsysteme durch Erfassung von städtischen Verkehrsdaten weiter voran.

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Ein Königreich für einen Parkplatz

Was ist eigentlich überall in den großen Städten auf der Welt immer wieder ein echtes Ärgernis? Fragt man die Singapurer, kommt auch hier schnell die Antwort: ganz klar, die Parkplatzsuche! Dank der von Continental entwickelten Park & Go App @SG gibt es jetzt endlich Abhilfe: Die App ermöglicht, freie Parkplätze in der Nähe des Bestimmungsortes in Echtzeit zu finden – inklusive Angabe der geschätzten Ankunftszeit. Auch neu freiwerdende Parkplätze erfasst das System, ebenso wie Informationen zu verfügbaren Autowaschplätzen und zu Parkplätzen in unmittelbarer Nähe von Food-Courts.

Parkplätze finden statt suchen

Insgesamt ist die App in der Lage, mehr als 70 Prozent aller Parkplatzinformationen in Singapur abzubilden: Dazu werden diverse Datenquellen von öffentlichen und privaten Partnern permanent ausgewertet. Integrierte Algorithmen sorgen dafür, dass die App sogar Voraussagen treffen kann, wie viele Parkplätze zu welcher Zeit an welchem Ort verfügbar sein werden. Auch Saisonparkkarten können über die App erworben werden, ebenso lässt sich Autopflege organisieren oder ein bevorzugter Parkplatz reservieren. Keine Frage – für eine Smart Nation, die ihre kostbaren Ressourcen Zeit, Platz und Energie intelligent einsetzen möchte, ist diese App denkbar gut geeignet.

„Schnell und gut um alles zu erreichen. Eine gute Hilfe, wenn man nicht weiß wie man einen Ort und Parkplatz findet.“

 

 

 

Abdul Rahim

Filme, Fotos, Impressionen: Park&Go @SG finden Sie auch bei Facebook – mit multimedialen Beiträgen und praktischen Tipps zum Parken vor Ort.

Neue Wege beginnen schon an
der Hochschule

Der Ingenieurnachwuchs für die Smart Nation steht in den Startlöchern und kann jetzt neue akademische Weihen erreichen. Der Abschluss im Bachelor of Engineering im Bereich Telematik ist der erste seiner Art in Singapur: Er wird vom renommierten Singapore Institute of Technology (SIT) verliehen und basiert auf der ersten Zusammenarbeit zwischen Continental und einer Hochschule aus Singapur. Entstanden ist daraus mittlerweile eine leistungsstarke Plattform für den Austausch von Ideen, Wissen, Konzepten und Best-Practice-Anwendungen, die von den angehenden Ingenieuren genutzt wird, um neue Lösungen für die Herausforderungen an die Smart Nation zu entwickeln.

 

 
 

Den Menschen in Singapur verbunden

Dass die Singapurer besonders technologiefreudig und offen für gute Ideen sind, weiß der Konzern aus Hannover nicht erst seit gestern: So wurde Continental Automotive Singapore Pte Ltd bereits vor 20 Jahren gegründet und ist seit Langem als Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung von fahrzeuggebundenen Informationsmanagementsystemen unentbehrlich. Im modernen Forschungs- und Entwicklungszentrum – einem der größten des Konzerns in Asien – arbeiten heute mehr als 900 Spezialisten daran, ihren Beitrag zur Smart Nation zu leisten.

Inspirierend für die gesamte Welt: Singapur verfolgt auf eindrucksvolle Weise ehrgeizige Ziele für die Natur, den Menschen und seinen Lebensraum. Die Freude am Gestalten und ganzheitliches Denken folgen dem Wissen, dass man neue Ziele nicht auf alten Wegen erreicht. Singapur wird die erste Smart Nation der Welt:

Banyak kejayaan – weiterhin viel Erfolg!

Continental Magazin Ausgabe 2/2017