Saubere Luft
zum Atmen

Wie wir trotz steigendem Verkehrsaufkommen Emissionen senken können – viele technologische Lösungen sind schon heute da

Woraus besteht eigentlich Luft? Nun, die allgemein anerkannte Zusammensetzung ist keine Naturkonstante, doch seit 350 Millionen Jahren sind die Hauptbestandteile weitgehend stabil: Es sind 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff, außerdem noch etwas Argon, Kohlenstoffdioxid und anteilig einige andere Gase. Und das soll so bleiben! Deshalb sind viele Anstrengungen nötig, um CO2-Anteile, Stickstoffoxide und andere Emissionen wie beispielsweise Feinstaub weiter zu verringern – erfolgversprechende Innovationen gibt es genug.

Der Verkehr wächst

Als die ersten Autos Ende des 19. Jahrhunderts über die Straßen rumpelten, war individuelle Mobilität ein exklusives Gut – und wenigen, gut betuchten Bürgern vorbehalten. Erst am Fließband gefertigte automobile Meilensteine wie die Tin Lizzy von Ford, der Citroën 2CV oder der VW Käfer eröffneten die Möglichkeit, auch den Großteil der Bevölkerung zu mobilisieren. Je mehr Menschen sich ein Auto leisten konnten, desto mehr füllten sich die Straßen. Und mit zunehmendem Wohlstand wuchsen auch die Fahrzeuge selbst: Stärkere Motoren, größere Hubräume, steigende Benzinverbräuche und damit immer mehr Emissionen – all das spielte viele Jahrzehnte lang eine wenig beachtete Rolle.

1930

1960

2018

Die Emissionen sinken – doch noch nicht genug

Erst mit den steigenden Treibstoffpreisen aufgrund der Ölkrise in den frühen Siebzigerjahren und mit der zunehmend verschmutzten Luft, die erstmals in vielen Städten zu Fahrverboten führte, stiegen Bewusstsein und Handlungsbedarf rund um den Umweltschutz. Schon damals führten technologische Innovationen zu einer deutlichen Entlastung: Die Produktionsstätten der Industrie wurden mit besseren Filteranlagen ausgerüstet und der Katalysator für Neufahrzeuge wurde z.B. in Deutschland 1984 Pflicht. Daraufhin verbesserte sich die Luftqualität in Deutschland derart, dass sämtliche Bundesländer in den 1990er-Jahren ihre Smog-Verordnungen abschafften. Doch wurde damit das Problem gelöst? Mitnichten. Denn in den Ballungszentren weltweit ist verschmutzte Luft ein großes Problem, das die Gesundheit von Millionen von Menschen gefährdet. Wie also können wir dem Plus an Fahrzeugen ein Minus an Emissionen entgegenstellen? So viel ist klar: Es müssen neue und vor allem praktikable Lösungen her.

 

Ein Antriebsmix – für saubere Luft

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Wenn es darum geht, die Luftqualität zu verbessern, wird Elektromobilität für die Zukunft unverzichtbar sein. Vorausgesetzt natürlich, dass der Strom regenerativ erzeugt wird. Doch die Elektromobilität hat derzeit noch nicht ihr volles Potenzial entfaltet, deshalb wird sie als solitäres Konzept einen nachhaltigen Klimaschutz nicht ermöglichen. Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender von Continental, forderte daher bereits im November 2017 auf dem Automobilwoche-Kongress in Berlin, ganzheitlicher zu handeln: „Für einen wirksamen Klimaschutz brauchen wir, um den technologischen Übergang zu bewältigen, einen Antriebsmix. Dieser besteht aus dem Elektroantrieb, Hybridantrieben und auch sauberen Verbrennungsmotoren – Diesel wie Benziner – sowie aus klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen und der Brennstoffzelle.“

Ein politisch verordneter Ausstieg aus der Verbrenner-Welt, der die technologischen Realitäten nicht entsprechend berücksichtige, sei nicht der richtige Weg, zumal sich die Akzeptanz der Verbraucher für neue Antriebsformen nicht einfach erzwingen ließe. Mit Blick auf die Stromerzeugung fügte Dr. Degenhart hinzu: „Der Beitrag der Elektromobilität zum Klimaschutz hängt eng mit der Art der Stromerzeugung und der CO2-Bilanz zusammen. In den meisten Märkten hat der Elektroantrieb heute schon einen leichten CO2-Vorteil im Vergleich zum Verbrennungsmotor. Allerdings wächst der Anteil an Elektrofahrzeugen am globalen Fahrzeugbestand relativ langsam. Deshalb entfaltet er seinen Einfluss auf die Klimabilanz erst über einen längeren Zeitraum. Es wäre gut und sinnvoll, wenn die Politik hier – anstelle von bloßen Richtwertvorgaben – die Forschung und Entwicklung insgesamt stärker fördern würde. Dabei sollte sie noch mehr als bisher darauf achten, verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen zu schaffen.“

„Entwicklung von Passagierzahlen und Gütertransport“, Quelle: Statistical Pocketbook 2017 der EU
Quelle: International Council on Clean Transportation (ICCT), 2016: 1 New European Driving Cycle, 2 US light-duty vehicles, ³ In 2020 mandatory for 95 % of the OEMs’ fleets. As of 2021 mandatory for 100 %, 4 China’s target reflects a gasoline fleet scenario. With other fuel types included, the target would be lower.

Wenn Rudolf Diesel das wüsste

Der synthetische Kraftstoff Oxymethylenether (OME) hilft, CO2-Emissionen deutlich zu verringern. Aber was ist OME? Wie funktioniert die Technologie dahinter? Und welche Potenziale ergeben sich daraus? Erfahren Sie mehr über den umweltfreundlichen Treibstoff.

„Synthetische Kraftstoffe – einfach erklärt!“
Continental Automotive Deutschland

Handeln – weil Visionen sich nicht von selbst erfüllen

Es gibt viele Möglichkeiten, zu einer verbesserten Luftqualität beizutragen. Bei Continental sind daher eine umweltbewusste Fertigung und eine nachhaltige Lieferkette selbstverständlich.

1. Engagement für CO2-Effizienz

Continental wurde in den vergangenen Jahren bereits vielfach für CO2-Effizienz und Umwelt-schutz ausgezeichnet, u. a. mit dem European Transport Award for Sustainability, dem Greentec Award, dem Joseph-von-Fraunhofer-Award, dem International Busplaner Sustainability Award und dem Materialica Design and Technology Award.

2. Nachhaltige Lieferkette

Umweltschutz ist nicht erst seit gestern ein Thema: Schon vor rund 25 Jahren wurde bei Continental das erste Umweltmanagementsystem eingeführt. Heute ist auch die nachhaltige Lieferkette ein elementarer Baustein der Umweltstrategie 2020. Bis dahin soll die Gesamtheit aller strategischen Lieferanten die internationale Umweltmanagement-Norm ISO 14001 erfüllen. Ein ehrgeiziges, aber machbares Ziel: 2016 waren bereits rund 85 % der Lieferanten der Automotive Group und 73 % der Rubber Group nach ISO 14001 zertifiziert.

3. Pilotprojekt in Mexiko

Mit unserem Pilotprojekt zur „Nachhaltigkeit in der mexikanischen Lieferkette“ haben wir 2015 ein Kooperationsnetzwerk mit lokalen mexikanischen Lieferanten ins Leben gerufen. Das von der Kreditanstalt für Wiederaufbau geförderte Projekt verfolgt das Ziel, durch den Transfer von Best Practices, individuelle Beratung und Training die Umweltleistung bei den Continental Zulieferern vor Ort zu verbessern – im Fokus steht dabei die Zertifizierung eines Umweltmanagementsystems gemäß ISO 14001. In zahlreichen Workshops und Beratungsgesprächen ging es vor allem um die Reduzierung von CO2-Emissionen, aber auch um das Wassermanagement und die Abfallvermeidung.

4. Green Plant Label für die nachhaltige Produktion

Motivation ist alles: Deshalb hat Continental 2016 erstmals den internen „Green Label Plant Award“ verliehen. Dieser Preis soll die Nachhaltigkeit in der weltweiten Produktion innerhalb der Automotive Group steigern. Vor allem geht es dabei um die Effizienz der Ressourcen Energie, Wasser und Abfall. Die Auszeichnung wird in Gold, Silber und Bronze verliehen, abhängig vom nachhaltigen Engagement des jeweiligen Standorts. Bis 2020 sollen alle Produktionsstandorte mindestens den Bronze-Status erreichen – Ende 2016 waren es bereits 28%.

5. Weniger verbrauchen, mehr verwerten

Hightech und Ressourcenschutz passen zusammen: Ein gutes Beispiel ist der Continental-Standort Nürnberg, der 2016 bereits den Bayerischen Energiepreis erhielt. In diesem Jahr kam eine weitere Auszeichnung hinzu: Die Kompetenzinitiative der Energieregion Nürnberg kürte den Standort zum „energie.effizienz.gewinner 2017“ – dank des neuen Blockheizkraftwerks lassen sich Einsparungen realisieren, die dem Energiebedarf von rund 350 Haushalten entsprechen. Insgesamt sollen in der Fertigung – bezogen auf den bereinigten Umsatz bis 2020 – der Energie- und Wasserverbrauch, die CO2-Emissionen und das Abfallaufkommen um 20 % (gegenüber dem Bezugsjahr 2013) gesenkt werden.

Erfahren Sie mehr über Ökonomie und Ökologie als unsere Basis für nachhaltige Wertschöpfung.

Hätten Sie’s gewusst?

Zehn interessante Fakten zum Thema Erneuerbare Energien

1. Ameisen kennen keinen Stau

Faszinierend: Obwohl es überall und auf allen Spuren im Ameisenbau krabbelt und wimmelt, sind dort Staus unbekannt. Schnellere Ameisen überholen langsamere Ameisen nicht, sondern passen ihre Geschwindigkeit an – ein großartiges Vorbild für uns alle.

2. Der längste Stau aller Zeiten

Auch eine Art, ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen: Allerdings war es für die Betroffenen, die 1980 im längsten Stau der Welt standen, wohl kein Grund zum Feiern – zwischen Paris und Lyon staute sich der Verkehr auf einer Länge von 176 Kilometer.

3. Lebenszeit im Stop-and-go

Wenn das nicht ein guter Grund für autonomes Fahren ist: Statistisch betrachtet verbringt jeder Deutsche mehr als zweieinhalb Tage eines Jahres im Stau.

4. Erste deutsche Staumeldung im Radio

Der erste Stau in Deutschland ereignete sich am 23. April 1961. Man weiß es deshalb noch so genau, weil der Rundfunk darüber berichtete: „Nichts geht mehr zwischen Köln und Leverkusen“ – wegen sagenhaften sechs Kilometern Stau in einem Baustellenbereich.

5. Das verstopfteste Straßennetz der Welt

Ein weiterer unrühmlicher Superlativ: Am 11. Juni 2009 gab es im brasilianischen São Paulo gegen 19 Uhr Ortszeit im Streckennetz des Großraums Staus mit insgesamt 293 Kilometer Länge.

6. Mit Verkehr ist zu rechnen

Längst ist die Verkehrsüberwachung eine Wissenschaft für sich – und ihre Daten sind für die Verkehrsplanung enorm wichtig. So ist z. B. die Verkehrsdichte eine mathematisch definierte Kenngröße, die sich aus der Anzahl der Verkehrselemente eines Verkehrsstroms je Wegeinheit zu einem Zeitpunkt x berechnet.

7. Erfolg durch Spurwechsel ein beliebter Irrtum

Kann man dem Stau durch häufigen Spurwechsel ein Schnippchen schlagen? Klare Antwort: nein. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall: Denn Spurwechsel sind insgesamt für den Verkehrsfluss hinderlich, da sie die Stauwelle nach hinten noch verstärken.

8. Die Entdeckung der Langsamkeit

Noch bis zum Jahr 1898 setzte man bei der New Yorker Polizei auf Fahrräder, um automobile Raser verfolgen zu können. Und als in Deutschland die ersten Verkehrsordnungen aufgestellt wurden, legte z.B. das Land Hessen fest, dass ein Auto keinesfalls schneller fahren dürfe als ein mäßig trabendes Pferd.

9. Saubere Luft ist seit jeher relativ

Als es noch keine Autos gab, gab es auch noch keine Emissionsprobleme. Stimmt das wirklich? Um 1900 fuhren in London mehr als 10.000 Kutschen und viele tausend Buskutschen mit bis zu zwölf vorgespannten Pferden täglich durch Londoner Straßen. Jedes Pferd produzierte dabei bis zu 15 Kilogramm Mist.






Schätzungen aus dem Jahr 1894 besagen, dass in weiteren 50 Jahren vermutlich alle Straßen Londons mit Mist in drei Metern Höhe gefüllt gewesen wären. In anderen Städten sah es nicht besser aus – und es roch auch nicht besser. So produzierten New Yorker Pferde ca. 1.000 Tonnen Mist täglich. Man sieht also: Auch damals schon haben Emissionen – wenn auch anderer Art – die gute Luft durchaus beeinträchtigt.

10. Verkehrsaufkommen auf dem Mars

Definitiv keine Staus gibt es auf dem Mars: Nach vier erfolgreichen Mars-Rover-Missionen mit einigen ferngesteuerten Fahrzeugen gibt es auf dem Planeten noch jede Menge Platz für uneingeschränkte Mobilität. Die eingesetzten Rover werden übrigens ökologisch vorbildlich ohne Belastung der Mars-Atmosphäre solar und elektrisch angetrieben.

Da auch die auf dem Mond eingesetzten Lunar Vehicles der NASA-Missionen elektrisch angetrieben waren, ließe sich also mit einem Augenzwinkern feststellen, dass es bereits mindestens zwei Himmelskörper im Weltall gibt, deren Mobilitätsangebot voll umfänglich elektrifiziert ist.

Saubere Luft für die gesamte Menschheit ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Es liegt an uns allen, wie wir dieses Ziel trotz eines immer stärkeren Verkehrsaufkommens erreichen. Viele Innovationen stehen uns bereits zur Verfügung – und ein kluger Technologiemix rund um umweltfreundliche Mobilität kann nachhaltige Erfolge erzielen.

Elektromobilität bei Continental hat viele Facetten.

Continental Magazin Ausgabe 2/2017