Frische Luft
von vorne

Auf zwei Rädern in
besserer Luft unterwegs

Scooter? Das sind doch diese kleinmotorisierten Zweiräder, mit denen man jede Menge Spaß haben kann. Natürlich, das auch, doch Scooter leisten noch wesentlich mehr: Denn für Millionen von Menschen in Ballungsräumen sind sie ein unverzichtbares Verkehrsmittel. Dass der Verkehr während der Rush Hour in den Megalopolen der Welt überhaupt noch fließen kann, liegt daran, dass Menschen auf zwei anstelle von vier Rädern deutlich weniger Platz benötigen. Doch wie sieht es dabei mit den Emissionen aus? Wenn technologische Potenziale hier konsequenter genutzt werden, verbessert sich auch die Luft in den Städten.

Auf zwei Rädern gegen den Verkehrsinfarkt

Möchten Sie erleben, wie intensiver Zweiradverkehr wirklich aussieht? Dann stellen Sie sich einfach während der Hauptverkehrszeit an die Yánpíng North Road im Datong District in Taipei City, Taiwan, unweit des Tamsui-Flusses. Hier ergießt sich ein nicht enden wollender Strom von Scootern über die Kreuzung, um Pendler zu ihren Arbeitsplätzen zu bringen. Solche und ähnliche Verkehrsflüsse gibt es fast überall dort, wo der Scooter aufgrund von Platzmangel und geringerem Einkommen das Verkehrsmittel erster Wahl ist – sei es in Delhi oder Bangkok, in Peking oder Manila. Das Potenzial für mehr Luftqualität ist hier besonders groß. Und obwohl der Einsatz von elektrifizierten Scootern bereits von vielen Kommunen gefordert und gefördert wird, stellt sich dennoch auch die Kostenfrage, denn nicht jeder kann sich sofort einen neuen E-Scooter leisten. Kreative Lösungen sind also gefragt.

Ein wahrhaft elektrisierendes Fahrvergnügen

 
 

Bei überschaubarem Aufwand lassen sich mit konventionellen Verbrennungsmotoren ausgestattete Zweiräder wie z. B. eine klassische Vespa GTS 125 in einen E-Scooter verwandeln. Der 48V Electric Scooter von Continental wurde im November 2017 in Mailand anlässlich der internationalen Motorradmesse EICMA vorgestellt. Er wird von einem 48-Volt-Elektromotor (mit einer maximalen Leistung von 9.6 kW und einer maximalen Drehzahl von bis zu 18.000 U/min) angetrieben und ist mit Lithium-Ionen-Akku und entsprechender Steuerungselektronik ausgerüstet.

Die Referenzklasse sind 125 Kubikzentimeter: Fahrverhalten und Höchstgeschwindigkeit sind bei Verbrennungsmotor wie Elektroantrieb nahezu gleich, während aufgrund des Akkus die Reichweite des 48V Electric Scooter naturgemäß geringer ausfällt. Er muss nach 75 Kilometern an der Steckdose nachladen, während der herkömmliche Scooter erst nach 300 Kilometern den Tankwart besucht.

Allerdings: Wer fährt schon Langstrecken mit einem Scooter? Schließlich sind die meisten Scooter seit jeher auf den kurzen Distanzen der Ballungsräume zuhause. Interessant ist, dass in puncto Fahrdynamik der 48V Electric Scooter dem Verbrennungsmotor sogar überlegen ist: Er beschleunigt deutlich besser und ist agiler in der Stadt. Zum Fahrspaß gesellt sich die Freude, dass auch die Luftqualität vom umweltfreundlichen Stromer nachhaltig profitiert. Auch bei den Geräusch-Emissionen hat der 48V Electric Scooter die Nase vorn – dank leisen Surrens statt lauten Knatterns.

Wie kommt der 48V Electric Scooter ins Rollen?

Vier Fragen an Christian Eder, Manager Business Development Vehicle Electrification.


Herr Eder, ist der 48V Electric Scooter ein einmaliges Show Vehicle oder steckt mehr dahinter?

Eindeutig Letzteres. Wir haben noch viel vor mit dem Motor. Z. B. können wir preislich attraktive Umrüstsets anbieten. Auch die zahlreichen neuen Sharing-Mobility-Anbieter in Städten können mit solch umgerüsteten Scootern Lücken in ihrem Portfolio schließen. Kooperationen mit international renommierten Zweirad-Herstellern sind ebenfalls bereits in Vorbereitung. Zurzeit führen wir sehr positiv stimmende Verhandlungen in viele Richtungen.


Wird diese Idee auf den europäischen Markt beschränkt bleiben?

Nein, sicherlich nicht. Wir stehen auch mit zahlreichen asiatischen Unternehmen in engem Kontakt, z. B. in Indien und China, wo der Bedarf ebenfalls besonders groß ist.


Wie verhält es sich mit den Kosten?

Der 48V Electric Scooter ist absolut wettbewerbsfähig. Der etwas höhere Preis in der Anschaffung amortisiert sich schnell im Betrieb durch die günstigere Energiequelle und den verminderten Wartungsaufwand.


Welche weiteren Potenziale sehen Sie?

Der große Vorteil des leistungsstarken 48-V-Motors ist seine kompakte Größe inklusive der Steuerungselektronik. Darüber hinaus ist der Verzicht auf Hochvolt-Technologie ein echtes Sicherheitsplus. Der Motor kann sicherlich über das Zweirad hinaus weitere Fahrzeuge antreiben, denken Sie z. B. an die Tuk-Tuks: Diese Auto-Rikschas prägen die Straßenbilder von Indien über Thailand bis Kenia. Umrüstungen mit unserem 48-V-Motor würden hier einen gewaltigen Beitrag zu besserer Luft leisten.

 

„Der große Vorteil des leistungsstarken 48-V-Motors ist seine kompakte Größe inklusive der Steuerungselektronik.“

Christian Eder,
Manager Business Development Vehicle Electrification
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Das richtige Profil darf nicht fehlen

Der moderne Scooter-Reifen ContiTwist für Touring und City-Verkehr sorgt für die notwendige Bodenhaftung. Eine innovative Mischungstechnologie für hohe Laufleistung sichert ein sehr präzises Handling auf nassen und trockenen Straßen, kombiniert mit harmonischen Fahreigenschaften. Der neu entwickelte Continental-Rollerreifen wird selbst den Anforderungen von hubraumstarken Luxusrollern gerecht – elektrisch und konventionell.

 

Die große Welt der Motorroller

1.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland unter der Bevölkerung ab 14 Jahren rund 3,61 Millionen Personen, die einen Motorroller im Haushalt besaßen.

2.

In China flitzen deutlich mehr als 200 Millionen E-Roller durch die Straßen und Gassen der Städte. Allerdings: Hohe Unfallzahlen aufgrund fehlender Führerschein- und Zulassungspflicht führten 2016 zu ersten Fahrverboten in Peking oder auch in der Wirtschaftsmetropole Shenzen in der südlichen Provinz Guangdong – hier gibt es für den Gesetzgeber erhöhten Regelungsbedarf.

3.

Aufgrund des starken Smogs in der chinesischen Metropole Guangzhou ließ Peking bereits im Jahr 2005 alle Zweitakt-Motorroller aus dem Verkehr ziehen. Dort ist der E-Roller Pflicht.

4.

In Indien ist das Motorrad das Erkennungszeichen der sogenannten aspirational class, die den Marketingexperten, Politikern und Soziologen gleichermaßen als Schlüssel zur Zukunft des Landes gilt. Damit sind die Menschen gemeint, die noch lange nicht zur wohlhabenden Mittelschicht gehören, aber schon etwas Geld und jede Menge Träume haben.

5.

Zweiräder schließen in der Mobilitätskette die wichtige Lücke zwischen Auto und Fahrrad: Es geht um jene Strecken um die 12 Kilometer Länge, die zu kurz für das Auto und zu anstrengend für das Fahrrad sind.

6.

Der weltgrößte Zweiradhersteller kommt nicht aus Europa oder China, sondern aus Indien: Das Logo der Marke Hero schmückt pro Jahr deutlich mehr als sechs Millionen verkaufte Zweiräder.

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Sauberkeit liegt im Trend

Motorräder und Roller haben einen durchaus ambivalenten Ruf: So tragen sie einerseits zur günstigen Mobilität von Millionen Menschen bei, doch andererseits verursacht oftmals veraltete Technik starke Emissionen und belastet gerade in Ballungsräumen die Luft. Deshalb gehört den sauberen Scootern die Zukunft: Und wo finanzielle Möglichkeiten und entsprechende Infrastrukturen für elektrifiziertes Fahren vorhanden sind, setzen sie sich durch.

Auch Sharing-Konzepte funktionieren bereits sehr gut: Was 2012 in San Francisco mit dem Start-up Scoot begann, welches damals die ersten elektrischen Roller zum Leihen auf die hügeligen Straßen der Pazifik-Metropole brachte, ist heute ein weltweiter Trend. Gerade auch in Deutschland: So steht z. B. fast jeder dritte ausleihbare E-Roller weltweit in Berlin. Doch diese Konzepte funktionieren noch nicht überall gleich gut, eben einerseits aufgrund der höheren Anschaffungskosten, und andererseits, weil entsprechende Lademöglichkeiten nicht überall im öffentlichen Raum gegeben sind, während gleichzeitig vielerorts Tankstellen an jeder Straßenecke auf Kundschaft warten.

 

Der erfolgreiche Kampf gegen Abgas

Die Elektrifizierung von Zweirädern ist erfolgversprechend, doch auch beim Verbrauch und den Emissionen von konventionellen Verbrennungsmotoren ist im wahrsten Sinne des Wortes Luft nach oben. Continental hat jetzt Motorsteuerung und Gemischaufbereitung weiter optimiert – für weniger Verbrauch und verringerten Schadstoffausstoß bei höherer Leistung.

Die modular aufgebaute „Air Module Engine Control Unit“-Regelungstechnik passt dank minimierten Gewichts und kleinster Abmessungen in viele Motoren-Konzepte unterschiedlicher Hersteller. Auch den Anforderungen globaler Märkte wird dieses System in unterschiedlichen Konfigurationen gerecht: Motorräder mit bis zu 250 Kubikzentimetern Hubraum erfüllen mit der entsprechenden Version z. B. schon heute die für 2020 erwartete Abgasnorm Euro 5.

Auch die Fuel Supply Unit (FSU), derzeit in Viertakt-Motorrädern und -rollern mit bis zu 150 Kubikzentimetern Hubraum im Einsatz, spielt ihre Stärken aus: Die extrem leichte Kolbenpumpe reduziert mit gleichmäßiger Leistungsabgabe bei konstantem Druck Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß – und lässt sich dank kompakter Bauweise in nahezu jeder Position integrieren. Innovationen solcher Art rund um den Verbrennungsmotor tragen ebenso dazu bei, die Luft in urbanen Lebensräumen zu verbessern.

 

Mehr Sicherheit – mehr Akzeptanz

Je mehr Menschen von vier Rädern auf zwei Räder umsteigen, desto stärker werden bei sauberen Technologien Umwelt und Verkehr entlastet. Denn nicht nur Emissionen und Verbräuche gehen insgesamt zurück, auch der derart gewonnene Platz auf Straßen und Parkplätzen entlastet die Städte. Es ist also wichtig, die Akzeptanz für Zweiräder zu erhöhen.

Doch wie kann das gelingen? Wohl am besten, indem man Zweiradfahrten noch sicherer macht und die Potenziale höherer Fahrdynamik nutzt. So sind seit Januar 2017 ABS-Bremssysteme, wie sie Continental seit über zehn Jahren für Motorradhersteller weltweit entwickelt und produziert, bei Neuzulassungen von Motorrädern in ganz Europa Pflicht. Die oberste Priorität der Entwickler lautet: Die Entscheidungsfreiheit des Motorradfahrers soll erhalten bleiben – Fahrer sollen unterstützt, aber nicht bevormundet werden.

Dieses Credo gilt für alle von Continental entwickelten Advanced Rider Assistance Systems, auch als ARASTM abgekürzt. Zur „Assistenten-Familie“ gehören außer dem ABS-Bremssystem unter anderem der Traffic Sign Assist für die Verkehrszeichenerkennung, Blind Spot Detection zur Überwachung des toten Winkels, Forward Collision Warning für vorausschauendes Fahren, der Scheinwerferassistent Head Light Assist und der intelligente Tempomat mit Abstandsautomatik – auch als Adaptive Cruise Control bezeichnet. Mehr Sicherheit in allen Details: Auch das ist ein guter Grund, das Auto zugunsten eines Zweirads stehen zu lassen.

Der Einfluss von Zweirädern wird oft unterschätzt, aber für Millionen von Menschen, gerade in Asien, sind Zweiräder eine der Säulen urbaner Mobilität. Ob elektrifizierte Antriebe oder beständig optimierte Verbrennungsmotoren: Die Summe aller Innovationen und Anstrengungen trägt auch hier zu mehr Umweltfreundlichkeit und besserer Luft bei.

Fahrdynamik trifft Verantwortung – Zweiradtechnologien von Continental haben viel zu bieten.

Continental Magazin Ausgabe 1/2018